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Der Wald liegt tot und schweiget...

11.06.2007

Erfolgreiche Veranstaltung der "Akademie 6-99" im WILDWALD VOSSWINKEL zum Thema "Warum kippen im Wald die Bäume um?"

Wie ein dünnes Seidentuch liegt der Morgennebel über dem Wildwald Vosswinkel. Ganz so, als wolle er die Schäden überdecken, die der Orkan "Kyrill" im Januar angerichtet hat. Denn in den Wäldern des Sauerlandes sind Ausmaße und Folgen nicht zu übersehen. Manchmal werden sie sogar jetzt erst sichtbar.
Aber warum kippen im Wald die Bäume um? Das fragt sich an diesem Samstagmorgen auch die "Akademie 6-99", eine Gruppe junger und alter Freizeitlernender im Berufskolleg am Eichholz, die sich generationenübergreifend fortbildet. Wolfgang Matenaers, der als Förster in ganz Deutschland tätig ist und u.a. den Betrieb Boeselager im Wildwald leitet, ist heute der Lehrer der jungen und alten Hobbystudenten. Seine Antwort auf die Frage, warum die Bäume kippen, klingt zuerst einfach: "Das Hebelgesetz."
Mit großen Augen Mit großen Augen schauen die Kinder in der Akademie hoch zu Herrn Jacobs, die jüngste Teilnehmerin ist gerade mal 2 Jahre alt. Der große Praktikant von Wolfgang Matenaers steht auf einer Wippe. Erst als Kind Nummer Sieben und Acht die andere Seite der Wippe beschweren, hebt sich der Nachwuchsforstwirt gen Himmel. Das Hebelgesetz wirkt. Hebel dienen der Kraftübertragung und ermöglichen große Krafteinwirkungen mit geringem Aufwand. "Und nicht anders ist es bei Kyrill und den Bäumen", erklärt der achtjährige Fritz. Der aufgeweckte Junge lächelt Wolfgang Matenaers selbstbewusst an. Und der Förster nickt zurück. "Der Wind kann die Bäume an der Krone regelrecht packen", erklärt er. Bei Kyrill fielen die massivsten Eichen und knickten Fichten wie Streichhölzer. Grund ist ein kompliziertes Ursachengeflechts, das Baumart, Standort, Baumbehandlung, Bodenbeschaffenheit und die Witterung der Kyrill vorausgegangen Wochen berücksichtigt. Die Fichte zum Beispiel erwischte es im Sauerland besonders stark. Der Flachwurzler kam erst vor 150 Jahren durch die Preußen in die Region. Und hat stärksten Winden oftmals nichts entgegenzusetzen.
Überhaupt werden die Ausmaße von Kyrill erst jetzt richtig sichtbar. Denn das Sauerland zählt zu den schwerstbetroffenen Regionen des Orkans. Die Nacht, in der Kyrill kam, veränderte die Forstwirtschaft. 4,5 Mio. Kubikmeter Wald hat der Orkan allein in den Arnsberger Wäldern flachgelegt. Er fällte so viele Bäume wie der Mensch normalerweise in dieser Region in 15 bis 20 Jahren (!) abholzt. 20 Waldarbeiter sind in NRW bei den Aufräumarbeiten ums Leben gekommen. Das ist die wohl größte Katastrophe.

Umdenken erforderlich "Wir brauchen jetzt ein Umdenken und vor allem nachhaltiges Handeln", fordert Wolfgang Matenaers. Wieder steht der Förster vor einer Fläche, auf der abgeknickte Baumstümpfe aus der Erde ragen. Viele andere Bäume sind zudem noch instabil. Eine Spezialmaschine frisst sich durchs gespenstische Ambiente und räumt auf. Seminarteilnehmer Aloys Grobe wendet ein, dass man heute immer sage, der Sturm hätte das alles angerichtet. "Aber wir vergessen oft, dass die Waldbesitzer zuvor zu wenig Bäume geschlagen haben." Matenaers stimmt dem "Schüler" zu. "Das ist völlig richtig."

Und so gibt der Förster den Seminaristen abschließend einige Lehren aus Kyrill mit auf den Weg. "Der Waldrand muss als Windbremse fungieren. Und wir müssen bei der Aufforstung nun bedacht handeln und Mischwälder anlegen. Kyrill sollte uns die Fehler der Vergangenheit vor Augen geführt haben."
WESTFALENPOST
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