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Große Angst vor kleinen Borkenkäfern

02.04.2007

Insekten nach Kyrill nächste Gefahr für Wald

Foto eines Borkenkäfers
Sie sind nur wenige Millimeter groß, doch der Schaden, den sie anrichten können, ist riesig. Nach Kyrill droht dem Wald in Südwestfalen nun eine weitere Gefahr: der Borkenkäfer.

16 Millionen Festmeter Holz warf der Orkan Mitte Januar zu Boden. "Wenn wir im Jahr 2007 einen Sommer wie 2003 oder 2006 bekommen, ist davon auszugehen, dass die gleiche Menge an Borkenkäferholz folgt", warnt der Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Gestern startete in Nordrhein-Westfalen deshalb das so genannte Käfer-Monitoring. Ab sofort werden spezielle Fallen für die Insekten regelmäßig überprüft, um ihr Flug- und Fortpflanzungsverhalten zu ermitteln.

Die warme Witterung verleiht den Käfern Flügel. Liegt die Temperatur konstant bei mindestens 16 Grad Celsius, schwärmen sie in Scharen aus. Im von Kyrill malträtierten Wald finden die Tiere zudem optimale Lebensbedingungen vor. "Es gibt soviel zu fressen wie nie. Die können dort permanent Feste feiern", sagt Günter Dame vom Landesumweltministerium in Düsseldorf. Das Schadholz liefere den Insekten momentan einen hervorragenden Nahrungs- und Brutraum. "Das ist der erste Baustein für eine Massenvermehrung. Der zweite ist die Witterung." In trockener Wärme fühlt sich der Borkenkäfer pudelwohl. Waldbesitzer und Förster verfolgen die Wetterberichte daher mit großer Sorge. Denn die kleinen Tiere zerstören das Holz. Der Gestreifte Nutzholzborkenkäfer, auch Lineatus genannt, legt sein Brutsystem tunnelartig im Stamm an und befällt auch bereits aufgearbeitetes Holz an den Waldwegen. Da sich die Fraßgänge schwarz verfärben, verliert das Holz für die Sägeindustrie an Wert. Der Buchdrucker dagegen setzt sich zwischen Holz und Rinde fest. Er schwächt auch lebende Bäume, weil er die Stoffkreisläufe in der Pflanze unterbricht. Per Aussendung von spezifischen Duftstoffen lockt der Buchdrucker seine Artgenossen massenhaft an. Betroffene Bäume müssen deshalb unverzüglich gefällt und aus dem Wald entfernt werden. "Wenn die Bestände gut in Schuss sind, können sie sich gegen diese Angriffe wehren", sagt Bernd Schmitt, Leiter des Forstamtes Lüdenscheid. "Doch davon ist nach Kyrill leider nicht auszugehen." Trotzdem warnt Schmitt vor Panik, schließlich komme es auch auf das Wetter an: "Und da heißt es ja: Der April macht, was er will."

Dennoch ist nun Eile geboten. Waldbauern und Förster drücken aufs Tempo. Denn das Holz muss so schnell wie möglich aus dem Wald. "Wir wollen dem Käfer das Leben so schwer wie möglich machen", sagt Günter Dame. Sinnvoll sei unter anderem die mechanische Bearbeitung der Stämme mit Harvestern; sie macht das Holz weitgehend brutuntauglich. Alles andere als wohl fühlen sich die Insekten auch in Nasslagerplätzen. Pflanzenschutzmittel können dagegen nur punktuell eingesetzt werden. Vorrang hat nun auch das Entfernen von abgebrochenen Bäumen sowie Reisig und Baumkronen auf dem Waldboden. Denn sie bieten ein optimales Angriffsareal für Borkenkäfer. "Leider gibt es eine Vielzahl von betroffenen Flächen. Wir arbeiten fast rund um die Uhr", sagt Schmitt - und hofft im Kampf gegen den Käfer auch auf ein bisschen Glück mit dem Wetter: "Das ist wie Lotto spielen."
WESTFALENPOST
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